Ein Haus, das die Nachbarn ärgert

Equality House in Topeka
Quelle: Wikipedia

Wer im Online Casino eine große Summe Geld gewonnen hat, kann es sich leisten, ein prachtvolles Haus bauen zu lassen. Manchen Menschen liegt es aber nicht nur am Herzen, ein Eigenheim zu besitzen. Sie nehmen einen zusätzlichen Betrag in die Hand, um mit einem Anbau ihre Nachbarn zu ärgern und ihnen einen Nachteil zu verschaffen. Im Englischen ist eine solche Konstruktion als „Spite House“ bekannt, im Deutschen wurde sie früher als „Neidbau“ bezeichnet.

Der Zweck des Neidbaus

Das englische Verb „to spite“ bedeutet so viel wie „ärgern“ – was den Sinn eines Spite House definiert. Es war in erster Linie dazu gedacht, dem Nachbarn ein Schnippchen zu schlagen. Das konnte zum Beispiel so aussehen, dass es eine Einfahrt blockierte oder dem Nachbarn die Sicht nahm. Zuweilen wurde ein Spite House nur gebaut, um ein Grundstück zu blockieren und so zu verhindern, dass es der Nachbar kaufen konnte. Um sein Ziel zu erreichen, nahm der Bauherr oft billigend in Kauf, dass das Haus eine eher unorthodoxe oder unpraktische Form hatte.

Spite Houses haben vor allem in den USA eine lange Tradition, schon im Jahr 1716 wurde eins in Massachusetts errichtet. In Deutschland gab es sogar noch früher Gebäude dieser Art. Zum ersten Mal wurde der „neydpau“ im Jahr 1489 im Stadtrecht von München erwähnt. Heute ist die Errichtung eines solchen Bauwerks nach § 226 des Bürgerlichen Gesetzbuchs verboten. Das sogenannte Schikaneverbot untersagt es, etwas zu tun, das ausschließlich dem Zweck dient, einer anderen Person einen Schaden zuzufügen.

Bekannte Spite Houses in den USA

Eines der bekanntesten Spite Houses der USA steht im kalifornischen Alameda. Errichtet wurde es um 1900 von Charles Froling. Die Stadt nahm ihm ein großes Stück seines Grundstücks weg, um darauf eine Straße zu bauen. Von Froling erwartete sie anschließend, dass er den Rest seines Landes an seinen Nachbarn verkauft. Um sowohl Alameda als auch dem Nachbarn eins auszuwischen, plante Froling ein Gebäude mit ungewöhnlichen Maßen. Es war zwar nur drei Meter breit, dafür aber 16 Meter lang und 6,1 Meter hoch.

Damit nutzte Froling sein verbliebenes Grundstück optimal aus, zumal er die obere Etage breiter gestaltete als die untere. Bis heute steht das Gebäude, das als Alameda Spite House bekannt ist, und wird zudem bewohnt. Ein Haus mit ähnlich seltsamen Maßen befindet sich in Alexandra in Virginia. Es wurde im Jahr 1830 von John Hollensbury gebaut. Dieser wohnte in einem Haus an der Queen Street, das an eine schmale Gasse grenzte. Diese wurde regelmäßig von Pferdewagen und Herumtreibern genutzt. Um dies verhindern, errichtete Hollensbury am Eingang der Gasse ein 2,1 Meter breites Bauwerk. Heute ist es als Hollensbury Spite House bekannt und ebenfalls noch bewohnt.

Eines der jüngsten Gebäude dieser Art ist das Equality House in Topeka im Bundesstaat Kansas. Es befindet sich gegenüber der Westboro Baptist Church, die für ihre radikale Haltung gegenüber Homosexuellen berüchtigt ist. Die humanitäre Organisation Planting Peace kaufte im Jahr 2013 das Gebäude, das später als Equality House bekannt wurde, und strich es in den Farben der Regenbogenflagge. Diese ist das Symbol für die LGBT-Bewegung, weshalb die Bemalung ein unmittelbarer Protest gegen die Ansichten der in der Nachbarschaft gelegenen Westboro Baptist Church ist. Im Jahr 2016 kaufte Planting Peace das Gebäude neben dem Equality House und bemalte es mit hellblauen, rosa und weißen Streifen. So sieht nämlich die Transgender-Flagge aus.