Geistige Gesundheit bei Fußballspielern

Damit ein Normalbürger so viel Geld auf dem Konto hat wie ein Spitzenfußballer, muss er schon sehr viel Glück im Online Casino haben. Doch trotz der Millionengehälter, die heutzutage im Fußball gezahlt werden, gerät eines häufig in Vergessenheit: Fußballspieler sind auch nur Menschen mit Stärken und Schwächen, mit Gefühlen und Problemen. Vor allem die Anforderung, in extremen Drucksituationen gute Leistungen bringen zu müssen, setzt ihnen sehr zu. Deshalb müssen Fußballer nicht nur auf ihren Körper achten, sondern auch auf ihre mentale Gesundheit.

Der Fall Robert Enke

Im November 2009 sorgte eine Nachricht für einen kollektiven Schock in ganz Deutschland: Der Torwart Robert Enke hat sich das Leben genommen. Enke stand bei Hannover 96 unter Vertrag, hatte in seiner Karriere aber auch schon das Tor von Borussia Mönchengladbach, Benfica Lissabon und dem FC Barcelona gehütet. Außerdem war er einer der Kandidaten für die Nachfolge von Jens Lehmann als neuer Schlussmann der deutschen Nationalmannschaft. Kurz nach seinem Tod fand eine Pressekonferenz statt, auf der bekannt wurde, dass Enke seit Jahren an einer schweren Depression litt. Wegen dieser hatte er sich seit 2003 mehrere Male behandeln lassen.

Der Fall Robert Enke
Quelle: HAZ

Nur wenige Personen aus dem Umfeld des Fußballers wussten über die Erkrankung Bescheid, selbst seine Teamkollegen und die Verantwortlichen in Club und Nationalmannschaft waren nicht in Enkes Krankheitsgeschichte eingeweiht. So stellte sich heraus, dass Enke wenige Wochen vor seinem Tod seine Teilnahme an mehreren Länderspielen wegen seiner Depression abgesagt hatte. Als offizielle Begründung wurde aber angegeben, dass er an einer bakteriellen Infektion litt. Zur öffentlichen Trauerfeier, die im Stadion von Hannover 96 abgehalten wurde, kamen etwa 40.000 Besucher, um sich von Enke zu verabschieden. Im Januar 2010 gründeten der DFB, die DFL und Hannover 96 die Robert-Enke-Stiftung, zu deren Aufgaben es gehört, über Depression aufzuklären.

Weitere Fußballer mit psychischen Erkrankungen

Im November 2009, wenige Tage nach dem Tod von Robert Enke, gab Andreas Biermann, ein Profi vom FC St. Pauli, eine Pressekonferenz. In dieser erklärte er, dass er an Depressionen leide und versucht habe, sich das Leben zu nehmen. Der Selbstmord Enkes habe ihn veranlasst, an die Öffentlichkeit zu gehen. Allerdings fühlte sich Biermann bald darauf mit seiner Krankheit alleingelassen und bereute es, sie öffentlich gemacht zu haben. Im Juli 2014 nahm er sich schließlich das Leben. Auch vor Enkes Tod wurden immer wieder Fälle von Fußballern bekannt, die unter Depressionen litten.

Sebastian Deisler
Quelle: Berliner Kurier

Einer von ihnen ist Sebastian Deisler, der als eines der größten deutschen Talente seiner Generation galt. Im Sommer 2002 wechselte er von Hertha BSC zum FC Bayern München. Nachdem er in der ersten Saison bei seinem neuen Club die Meisterschaft und den Pokal gewonnen hatte, wurde Ende 2003 bekannt, dass er wegen einer Depression eine längere Auszeit vom Fußball nehmen muss. Währenddessen ließ er sich im Max-Planck-Institut für Psychiatrie behandeln. Zwar spielte Deisler anschließend noch mehr als drei Jahre lang Fußball, stellte dabei aber fest, dass er nie seine Depression ablegen können würde. Im Januar 2007 erklärte Deisler seine Karriere für beendet und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Im Oktober 2009 tat er sich mit dem Journalisten Michael Rosentritt zusammen, der das Buch „Sebastian Deisler. Zurück ins Leben“ schrieb.

Ein fairer Umgang mit Fußballern

Fußballspieler stehen heutzutage mehr denn je im Rampenlicht. Sind sie außerordentlich gut, dann können sie zu Helden werden, unterläuft ihnen in einer wichtigen Partie ein spielentscheidender Fehler, dann ziehen sie den Hass von Tausenden von Fans auf sich. Deren aufbrausende Reaktionen sind bis zu einem gewissen Grad verständlich, hängen sie doch mit ganzem Herzen an ihrem Verein. Allerdings dürfen sie nicht vergessen, dass Fußballer ganz normale Menschen sind. Sie haben private Probleme – wie Robert Enke, dessen Tochter Lara 2006 mit zwei Jahren wegen eines angeborenen Herzfehlers starb. Sie haben Sorgen um ihre Gesundheit und ihre Zukunft – wie Sebastian Deisler, der im Laufe seiner Karriere mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen hatte. Auch die teilweise sehr polemischen Medienberichte über das Fußballgeschäft prallen nicht spurlos an ihnen ab. Daher wäre es wichtig, einen fairen Umgang mit Fußballspielern zu etablieren, um ihre mentale Gesundheit sicherzustellen.