Sportmaskottchen-Mythen – von den Guten bis zu den Seltsamen

Das Maskottchen Phillie Phanatic in Aktion
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Die deutsche Sprache hat das Wort „Maskottchen“ dem französischen „mascotte“, einem Glücksbringer, zu verdanken. Das Wort wurde für Ornamente und Talismane verwendet, die in den 1880er-Jahren Glück ins Haus bringen sollten, und Militärregimenter begannen schon davor, Widder, Ziegen oder andere Kleintiere als Maskottchen einzusetzen. Im frühen 20. Jahrhundert begannen Sportmannschaften in den Vereinigten Staaten damit, Tiermaskottchen als Glücksbringer für das Team bei Spielen zu verwenden. Und heutzutage glauben viele Menschen, dass diese schrulligen Figuren die Siegeschancen eines Teams verbessern.

So wie einige Online-Casino-Liebhaber einen Glücksbringer über ihrem Computer haben oder manche Menschen ihre Glücksunterwäsche tragen, wenn eine Lotterieziehung bevorsteht, sind Sportmaskottchen zu einem unverkennbaren Symbol geworden, auf das sich Teams und Fans gleichermaßen verlassen.

Vorteile und Gefahren lebendiger Tiermaskottchen

Eine der ersten US-Mannschaften, die ihr eigenes Maskottchen besaßen, waren die Chicago Cubs. Zuerst versuchten sie es mit einem ausgestopften Babybären und später sogar mit einem echten Bärenjungen. Da sich aber so viele Teams nach gefährlichen Raubtieren benennen, ist diese Mode recht schnell ausgestorben. An die Stelle der Tiere traten Männer, die das Maskottchen in ausgefallenen Verkleidungen spielten, die lose auf den jeweiligen Tieren basierten.

Die ersten Olympischen Sommerspiele mit einem inoffiziellen Maskottchen fanden 1932 in Los Angeles statt. Auch hier griff man auf ein lebendiges Tier zurück, nämlich einen bezaubernden Scottish Terrier namens Smokey. Er wird zwar in den offiziellen Aufzeichnungen nicht erwähnt, aber es gibt Bilder von ihm in seiner „offiziellen Maskottchenjacke“.

1968 wurden die Olympischen Winterspiele in Grenoble abgehalten, begleitet vom grinsenden Skifahrer Schuss. Der Trend, Maskottchen zu kreieren, die sich gut als Merchandising-Spielzeug eigneten, war geboren. Heutzutage sind für die meisten Sportmannschaften und internationalen Großveranstaltungen lebende Tiermaskottchen – egal, ob gefährlich oder niedlich – einfach zu unberechenbar.

Es gibt aber immer noch Ausnahmen, beispielsweise in der NFL: die Denver Broncos aus Colorado halten sich einen reinrassigen weißen arabischen Hengst namens Thunder. Tatsächlich handelt es sich bei dem Maskottchen um Thunder III. – da jedes Pferd altert und blasser und blasser wird, muss nach einer gewissen Zeit ein jüngerer Ersatz in Grau gefunden werden.

Die missratenen Exemplare

Manchmal kann zwischen Konzept, Zeichenbrett und Ausführung bei einem Maskottchenkostüm wirklich alles schieflaufen. Nach dem Auftritt von Schuss in Grenoble versuchte sich Mexiko-Stadt 1968 bei den Olympischen Sommerspielen mit einer Taube und einem Jaguar als inoffizielle Maskottchen – sehr geschmackvoll.

Später im Jahr 1986, als Mexiko die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtete, hatten sich Fantasiemaskottchen im Cartoon-Stil etabliert. Und so war die Idee eines Jalapeño-Chili mit Sombrero und mexikanischen Mannschaftsfarben geboren – zumindest auf dem Papier klang es großartig. Was am Ende aber im Stadion umherzog, war einfach gruselig: Die Augen glühten im tiefen Schatten des Hutes, der sein Gesicht völlig verbarg.

Südafrika lieferte mit Zakumi, dem Maskottchen zur FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010, eine ähnliche Enttäuschung. Der Leopard mit den grünen Dreadlocks hatte ein Grinsen, das fast so gruselig war wie das kürzlich enthüllte Maskottchen für die WM 2018 in Russland. Aber irgendwie sind es die Olympischen Spiele, die die Maskottchendesigner zu den schlimmsten Reinfällen verleiten.

Die vielleicht seltsamsten Kreaturen waren die Figuren Wenlock und Mandeville, die 2012 die Spiele in London begleiteten. Schon Monate vor den Spielen sorgten sie für jede Menge Heiterkeit, als das bizarre Logo enthüllt wurde. Die eingebaute Geschichtsstunde über zwei olympisch relevante Namen ging bei der Aufregung über die seltsamen aufblasbaren Zyklopen, die die Designer für die Charaktere vorsahen, völlig verloren.

Cobi, der von Picasso inspirierte katalanische Schäferhund im Kubismusstil, der 1992 die Olympischen Sommerspiele in Barcelona begleitete, sei hiermit ebenfalls ehrenvoll erwähnt. Er sah auf allen Drucksachen wirklich gut aus – in zwei Dimensionen. Die Puppen, Spielzeuge und großen aufblasbaren Versionen ließen den Betrachter aber eher erschaudern. Alle Merkmale der Figur befanden sich nämlich auf einer Seite des Kopfes, im Kubismus-Stil. Da haben die Designer einfach nicht mitgedacht.

Die amerikanischen Helden

Die englische Fußballmannschaft Arsenal (auch „The Gunners“ genannt) versuchte es mit einem großen flauschigen Dinosaurier namens Gunnersaurus als Maskottchen. Auch die spanische Mannschaft Valencia hat mit einer pelzigen, Fußball spielenden Fledermaus ein schönes Eigentor geschossen. Es scheint, als ob im modernen Sport außerhalb der USA niemand weiß, wie man ansprechende Maskottchen designt.

Andererseits begegnet man den Maskottchen in den USA auf jeder Ebene des Sports, von der Schule über das College bis hin zu den Profiligen – da bieten sich auch für die amerikanischen Teams viele Gelegenheiten, um sich Fehltritte zu erlauben. Bestes Beispiel ist das Maskottchen Banana Slug, ein wirbelloses, schleimiges gelbes Etwas, das die Sportmannschaften der University of Santa Cruz anfeuert.

In vielen US-Profimannschaften sind die Maskottchen aber viel mehr als nur ein Kostüm: Sie sind herausragende Athleten und Akrobaten, die dem Publikum beim Spiel unermessliche Freude bereiten. Von den gemütlichen und kinderfreundlichen Figuren wie dem Baseballkopf Mr. Met der New York Mets bis hin zu den unglaublich athletischen Akrobaten wie der innig geliebten Basketball-Ikone Benny the Bull der Chicago Bulls sind sie die Stars abseits des Spielfelds.

Niemand weiß, was für ein flugunfähiger Vogel Phillie Phanatic sein soll, aber das großäugige Maskottchen hat die Menge mit seiner ausfahrbaren Zunge voll im Griff. Es ist wahrscheinlich das Maskottchen, über das in der heutigen Zeit am meisten geredet wird.

Auch wenn manche Maskottchen seltsam, verrückt und sogar geradezu beängstigend sind, bringen sie die Sportfans doch auf originelle Weise zusammen.

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