Erleben wir den Müllkollaps an den Stränden und Meeren?

Aus dem Meer gesammelter Plastikabfall
Quelle: pexels.com

Unsere Strände und Meere sind mit Plastikmüll übersät. 90% der Abfälle an Stränden bestehen aus Kunststoff: 220.000 Flaschen, Einkaufstüten und Verpackungen wurden an nur einem Küstenabschnitt gefunden.

Für Freizeitsportler wie z. Beispiel Schnorchler wird die Suche nach einem sauber Strand- und Meerabschnitt zu einem Glücksspiel wie in einem Online Casino. Die Übermüllung an und in den Meeren hat nun viele Wassersportler aber auch Spaziergänger am Strand immer mehr dazu bewegt Müll einzusammeln. Es sind immer mehr Spaziergänger an Strandabschnitten zu sehen, die Tüten dabeihaben um Müll aufsammeln. Taucher helfen Meerestiefer und schneiden Sie auf Plastikmüll frei und Schnorchler haben nun mit Strawkling eine Initiative gestartet um ebenfalls bei jeden Schnorchelgang Müll aus dem Meer mitzubringen.

1. Wieviel Plastikabfälle befinden sich in den Weltmeeren?

Die Schätzungen, wie viel Kunststoff in den Weltmeeren treibt, gehen weit auseinander: Sie reichen von wenigen tausend bis zu mehreren Millionen Tonnen. Das renommierte Five Gyres Institute hat eine neue Kalkulation vorgelegt, die auf den gesammelten Daten von 24 Forschungsfahrten in die großen subtropischen Ozeanwirbel, vor die australische Küste, in das Mittelmeer und den Golf von Bengalen stammen. Laut ihrer Berechnung schwimmen weltweit rund 270.000 Tonnen Plastikmüll aktiv im Meer. Das heißt, dass der Abfall, der zum Beispiel bereits in der Tiefsee liegt, dadurch nicht erfasst wird. Eindrucksvoller als das Gesamtgewicht ist aber die errechnete Anzahl an Einzelteilchen. Da Kunststoffe leichtgewichtig sind, befinden sich etwa 5,25 Billiarden Partikel in den Ozeanen – von relativ großen Einzelteilen wie ganzen Tüten, Flaschen, Netzen oder Schuhen bis hin zu unzähligen Mikroplastiken, die regional häufiger sind als tierisches und pflanzliches Plankton.

2. Wieviel Plastikabfälle befinden sich an den Stränden?

Das regionale Meeresschutzabkommen OSPAR hat das Problem mit Plastikmüll an den Stränden bereits in den 90er Jahren erkannt und versucht seitdem, das Problem zu erfassen und zu quantifizieren. Das Pilotprojekt „Marine Beach Litter Monitoring“ identifizierte Plastik als den dominanten Anteil des gesamten Mülls im Nordostatlantik. Danach weisen die Strände der OSPAR-Region durchschnittlich 712 Müllteile pro 100 Meter Küstenlinie auf. Gleichzeitig wurde die Müllzusammensetzung entlang der Wattenmeerküste Deutschlands und der Niederlande untersucht. Dabei machten Plastik und Styropor über 75 Prozent des angespülten Abfalls aus, abgeschlagen folgten Holz, Papier und Pappe sowie Glas.

Eine weitere Untersuchung an den Ostseestränden kam mit 700 Plastikteilen pro 100 Küstenlinie zu einem nahezu identischen Ergebnis.

3. Was ist Strawkling?

multi-colored plastic straws
Quelle: Pixabay

Der Strawkling-hype begann im Jahr 2017 an einer Küste in Sydney in Australien, als ca. 50 Schnorchler sind aufmachten, einen Meeresabschnitt vom Plastikmüll zu säubern. Dies beinhaltete Strohhalme, Plastiktüten, und alte Netze. Strawkling war damals ein Teil der „Operation Strohhalm“, die ein Privatmann in Australien finanzierte.

Diese Aktion hat sich dann unter den Tauchern und Schnorchlern der Welt im Lauffeuer verbreitet und heute macht sich jeder Schnorchler und Taucher zur Aufgabe bei jedem Tauch- oder Schnorchelgang etwas Müll aus dem Meer mitzubringen. Es zeigt sich, dass durch diese kleine Idee etwas Großes gewachsen ist, denn es wurden schon viel Tonnen Plastikmüll aus den Weltmeeren entfernt.

4. Wie können wir Plastikmüll vermeiden?

Um uns das ganze etwas mehr zu veranschaulichen, haben wir Ihnen nachfolgend ein paar aktuelle Zahlen aufgeführt.

·         Seit 1950 wurden 8,3 Mrd. Tonnen Kunststoff, was z. Bsp. einem Gewicht von 80.000.000 Blauwalen entspricht, erzeugt.

·         Von den hergestellten 8,3 Mrd. Tonnen Kunststoff wurden anhand der Plastikmüll-Statistik von 2017 nur 600 Mio. Tonnen tatsächlich recycelt und 800 Mio. Tonnen verbrannt.

·         Die Recyclingraten sind weltweit immer noch sehr niedrig: Europa (30%), China (25%) und USA (9%).

·         Jeder Deutsche produziert durchschnittlich 37 kg Plastikmüll nur aus Verpackungen pro Jahr.

·         Insgesamt erzeugt jeder Deutsche 611 kg Müll pro Jahr!

·         Nur Estland (46,5 kg), Luxemburg (52 kg) und Irland (71 kg) produzieren pro Kopf mehr Plastikmüll als Deutschland pro Kopf.

·         Mit 11,7 Mio. Tonnen verbraucht Deutschland so viel Plastik wie kein anderes Land in Europa.

·         Jährlich werden in Deutschland 6 Milliarden Plastiktüten verbraucht. (Stand 2017)

·         Die durchschnittliche Gebrauchsdauer für eine Plastiktüte in Deutschland liegt bei 25 Minuten.

·         Nur etwa 42% des Plastik-Mülls in Deutschland werden recycelt.

·         Zum Vergleich liegt die Recycling-Rate für Plastik in Dänemark bei etwa 90%.

·         Europa sorgt für ein Viertel des weltweiten Plastik-Verbrauchs.

·         35% des weltweiten Plastik-Verbrauchs sind alleine auf Verpackungen zurückzuführen.

·         In Europa werden durchschnittlich nur 7 von 100 Plastiktüten recycelt.

Nur durch einen sorgsamen Umgang mit den Ressourcen und einem Verzicht auf Plastiktüten, -Flaschen etc. können wir dafür sorgen, dass unser Planet auch für die nächsten Generationen lebenswert bleibt.

5. Was wird an den deutschen Küsten unternommen?

Gemeinsame Müllsammlung am Meer
Quelle: Beaches and Harbors

In Deutschland setzt der NABU dem Müllproblem vor unserer eigenen Haustür etwas entgegen. Im Jahr 2010 hat der NABU das Projekt „Meere ohne Plastik“ gestartet. Darin erarbeitet der NABU Informationsmaterialien für und mit Fischern und Wassersportlern. Der NABU organisiert Reinigungsaktionen an Stränden und Flussufern und unterstützten das Umweltmonitoring an der Nord- und Ostseeküste.

In Politik und Wirtschaft setzt sich der NABU aktiv für eine bessere Abfallentsorgung in Häfen ein und entwickelt gemeinsam mit Küstenkommunen Maßnahmen, die den Eintrag von Müll ins Meer verhindern sollen. Der NABU arbeitet auch mit verschiedenen privatwirtschaftlichen Partnern zusammen. So unterstützt zum Beispiel Veolia Aktivitäten des NABU im Projekt „Meere ohne Plastik“ und Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland die Aufarbeitung gefischter Abfälle aus dem NABU-Projekt „Fishing for Litter“ in Zusammenarbeit mit der Hochschule Magdeburg-Stendal.